Depression und warum die Sonne nicht grundlegend hilft.

Draußen scheint die Sonne, ein schöner blauer Himmel und meine Frau fragt mich vorsichtig, ob wir gemeinsam spazieren gehen wollen. Vorsichtig, da sie um meine aktuelle Situation weiß. Ein erneuter depressiver Schub ist da und sie weiß das dieser nicht logische Reaktionen bei mir hervorrufen kann.

Ich schau sie nur kurz an und schüttle stumm mit dem Kopf. Sie weiß dann Bescheid, dass keine weitere Anfrage mir hilft aus der Dunkelheit rauszukommen. Wenn es denn doch so einfach wäre.

Um es vielleicht zu erklären, warum das so bei mir ist, habe ich hier mal ein Foto zum besseren Verständnis. Mit diesem versuche ich euch meine Situation während eines depressiven Schubes näher zu bringen. Ich hoffe das es funktioniert.

Wenn draußen die Sonne scheint und schönstes Wetter ist, empfinde ich dieses nicht wie gesunde Menschen. Ich sehe alles in Schwarz-Weiß und eine extreme Dunkelheit legt sich auf das was ich sehe. Die Sonne gibt mir weder Wärme, noch wird die Umgebung durch sie erhellt. Sie spiegelt sich auf der Oberfläche meiner dunklen Gedanken wieder. Dort werden die Strahlen komplett zerkleinert und danach von der Dunkelheit verschluckt.

Deswegen hilft bei einem depressiven Schub nicht grundlegend die Sonne, oder ein Spaziergang draußen. Ich hoffe ich konnte mit dieser kurzen Erklärung euch meine Situation etwas näherbringen.

Ein kurzer Kommentar ob ich die Lage verständlich (auch für Nichtbetroffene!) darstellen konnte, oder auch nicht, würde mir weiterhelfen. Danke!

11 Antworten auf „Depression und warum die Sonne nicht grundlegend hilft.“

  1. Das hast du gut beschrieben Holger!
    Wenn ich auch länger keinen deftigen Schub mehr hatte…. aber das vergisst man nie.
    Pass auf dich auf

  2. Klar und verständlich. Was ich mich als nicht Depressionsbetroffenen frage: was durchbricht die dunklen Gedanken? Auch ohne Farbe siehst du den Hausrotschwanz, der aus dem Winterquartier zurückgekommen ist, der blühende Kirschbaum, die frischen Regenwurm Hügel im Rasen…. und und und und alles hat irgendwie mit der Sonne zu tun… es ist schwierig nachzuvollziehen… viel Kraft!

    1. Hi Niggi.

      Danke für dein Feedback.
      Sicher sehe ich alles was um mich herum geschieht, natürlich auch die Farben.
      Aber weder die Farben noch die erwachende Natur im Schein der Frühlingssonne, erreichen mir.
      Ich könnte auch durch eine Botanischen Garten gehen und würde nichts fühlen.
      Alles an positiven Gefühlen ist ausgeschaltet, alles ist nur noch negativ, so wie mein Leben mir erscheint.

      Schwer das verständlich rüber zu bringen.

      Gruss

      Holger

      1. Alles Klar, danke. Die Frage nach dem Durchbrechen bleibt. Gib Dir Sorge. Du musst Dich bitte nicht gedrängt fühlen zu Antworten. Tiefen Respekt, für das Teilhabenlassen.

        1. Das „Durchbrechen“ bei mir, ist das Aussitzen der Situation.
          Es gibt da keine Pille die ich einwerfen kann, damit die Sachlage sich verbessert.
          Das Einzige ist, ich weiß im tiefsten Inneren, das es eine Zeitlich begrenzte Geschichte ist.
          Musste das auch erst lernen im Laufe der Jahre.
          D.h. aber nicht, dass deswegen ein depressiver Schub, oder eine depressive Episode leichter zu ertragen ist.
          Sagen wir mal so, ich habe mich mit der Krankheit arrangiert.
          Darüber zu schreiben und passende Fotos zu erstellen hilft mir dabei sehr.

          Wichtig für Betroffene ist es, sich fachliche Hilfe zu holen !!!

          1. Vielen Dank. Find ich gut, dass es keine Pille gibt und auch das mit der fachlichen Hilfe. Das mit den Fotos finde ich Spitze!

  3. Da finde ich mich als Betroffener auch sehr gut wieder. Ich würde mich dann immer am liebsten im Keller verkriechen um Ruhe zu finden und den Schub vorbei gehen zu lassen.

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