Depression

Depression, oder wie alles begann.

Moin zusammen.

Einige werden es mitbekommen haben das ich einen eigenen Podcast zum Thema Depression und auch etwas Fotografie ins Leben gerufen habe (Link). Da nicht jeder gerne Podcast hört, habe ich mir gedacht die eine oder andere Folge hier in Schriftform zu veröffentlichen. Aber aufgepasst, es sind dabei längere Texte zu bewältigen.

Vorab ein wichtiger Hinweis: Da ich hier über meine Depression schreibe und dieses durchaus auch sensible Themen beinhaltet, möchte ich im Vorfeld eine Triggerwarnung aussprechen. Wenn du psychisch nicht stabil bist z.B., dann würde ich dir empfehlen diese Folge auszulassen und erst zu lesen, wenn du wieder fit genug dafür bist.

Wie ich schon mal erwähnt habe, habe ich als Drucker meine Brötchen verdient. Für mich war es mehr oder weniger der richtige Job für mich, da er sehr abwechslungsreich war und es immer wieder neue Herausforderungen gab. Beispiel: Ein Kunde kam in die Druckerei mit einem braunen Wollfaden. Dieses war sein „Farbmuster.“ Nun lag es meistens an mir den richtigen Farbton anzumischen, so das auf der gedruckten Umverpackung, die der Kunde bestellt hatte, auch zu diesem Wollfaden passte. Also durchaus kniffelig der Job, aber das machte den Reiz aus.

Die Depression kam nicht plötzlich und unerwartet. Sie schlich sich langsam an, völlig unbemerkt. Immer mehr konnte ich in der Nacht nicht mehr durchschlafen. Erst war es nur ein bis zwei Mal, die ich nachts wach wurde. Und zwar richtig wach. Ich konnte mich nicht einfach auf die andere Seite legen, um dann weiter zu schlafen. Ich bin dann aufgestanden, habe mich vor dem Computer hingesetzt und las belangloses Zeug. Nach 30 bis 45 Minuten habe ich mich wieder hingelegt, um dann 2 Stunden später dasselbe erneut zu durchleben.

An Schlafmangel kann man sich gut gewöhnen, wenn auch die Leistungsfähigkeit über den Tag verteilt stark nachließ. Das sprach man einfach sich selbst zu: „Heute ist halt der Tag durchwachsen.“ Man ging gar nicht darauf ein das die gestörte Nachtruhe dafür zuständig war.

Einige Monate später wurde ich mit dem Verdacht auf einen Herzinfarkt in eine benachbarte Herzklinik gebracht und dort auf den Kopf gestellt. Bei der Herzkatheteruntersuchung konnte ich live mitverfolgen, wie die Sonde ihren Weg suchte und wie auch das Kontrastmittel eingespritzt wurde, um die kleinen Verästelungen sichtbar zu machen. Das Ergebnis war … mein Herz war ärztlich in einem guten … muskulösen Zustand. Festgestellt wurde ein deutlich erhöhter Blutdruck und mein Puls war auch zu hoch. Dagegen gab man mir Medikamente und schickte mich heim.

Einige Monate später wurde ich wieder wegen dem Verdacht von einem Herzinfarkt in die Herzklinik eingewiesen. Alles wiederholte sich und auch der Blutdruck und der Puls waren trotz Medikamente zu hoch, was medizinisch nicht erklärbar war. Mit dieser Info bin ich wieder nach Hause geschickt worden.

Meine damalige Hausärztin hatte den Verdacht, dass es sich bei mir nicht um eine rein körperliche Erkrankung handeln könnte. Sie empfahl mir einen Aufenthalt in der psychosomatischen Abteilung in einer Klinik im Nachbarort.

Wer bis jetzt soweit gelesen hat hat, dem möchte ich kurz darauf hinweisen, dass die letzten Absätze in Realzeit mehrere Monate, bzw. Jahre waren. Es liest sich halt, als wäre das Ganze in einigen Wochen passiert, dem ist nicht so. Nur so zur Info. Nun aber weiter im Text.

Was kann man sich unter einer Psychosomatischen Abteilung eines Krankenhauses vorstellen? Als erstes die Unterbringung. Die war in meinem Fall in einem 3-Bett Zimmer. War dankbar das ich mich mit den zwei anderen Mitpatienten gut verstanden habe. Sie mussten auch mein Schnarchen in der Nacht aushalten, was sicher auch nicht leicht für sie war.

Das Essen gab es wie im Krankenhaus üblich in einem Thermogeschirr pro Patient, was man durchaus nicht mehr als heiß betrachten konnte. So das war mal ein kurzer Einblick zu meiner Unterbringung. Heute mag es durchaus anders sein und es je nach Klinik anders geführt werden. So war es halt im Jahre 2013 bei mir. Denn dies ist ja meine Geschichte.

Kommen wir nun zu den unterschiedlichen Therapieformen.

Psychosomatisch Therapie versucht den Geist und den Körper irgendwie wieder nach vorne zu bringen, so mal eine sehr grobe persönliche Einschätzung. Es gab Einzel- wie auch Gruppengespräche. Dazu gesellten sich gemeinsames Nordic Walken … was ich immer geschwänzt habe. Ist halt nichts für mich, in so einer Gruppe die Gegend unsicher zu machen. Man konnte auch das im Regelfall überfüllte Schwimmbad im Keller nutzen. Die Gestaltungstherapie war in den ersten Doppelstunden nicht so einfach für mich. Ich hatte bis dahin keine Berührungspunkte zum Malen, Zeichnen, oder mit Ton zu arbeiten. Aber nach anfänglichen Stolpern war diese Therapieform nach den Einzelgesprächen die zweitbeste Therapieform für mich. Denn ich habe dort verstanden nicht ein klares Bild mit z.B. einer schönen Landschaft waren hier gefragt. Sondern unsere innere Stimmung die wir in unterschiedlichen Techniken nach außen transportieren konnten.

Für mich waren die Einzelgespräche der wichtigste Teil vom meinem 3-monatigen Aufenthalt. Dieser wurde nach 10 Wochen noch mal um zwei Wochen verlängert. Denn im Einzelgespräch, da ging es rein um mich und meine Gedanken und Gefühle. Kurz vor Ende dieser gesamten Therapiezeit bekam ich eine Liste mit Therapeuten, die für meine Anschluss-Heilbehandlung in Frage kamen. Meine Betreuerin meinte nämlich, dass es sich bei mir um eine ausgewachsenen Depression handelt.  Es sollte also nach diesen 3 Monaten ambulant weiter gehen.

Meine Reaktion auf diese Liste war, sie in dem Zimmer mit meinen zwischenzeitlich neuen Mitpatienten, in den Mülleimer zu werfen. Ich dachte ich hätte alles gesagt, was man zu meiner Situation hätte sagen können, und wegen sportlicher Fitness war ich nicht dort. Das dies eine große Fehleinschätzung war, wurde mir erst Monate später bewusst.

Sicher könnte man jetzt behaupten, dass der Aufenthalt mehr oder weniger sinnlos war. Dem möchte ich klar widersprechen. Aus der heutigen Sicht würde ich sagen, es war der Einstieg in die zukünftige Therapien, die mich noch erwarten würden.

Wie es weiter geht, wird in einer der nächsten Folgen behandelt.

Aber es gibt noch andere Dinge, die in diesen Anfangsjahren geschehen sind. Ein besonderes Augenmerk möchte ich auf meine berufliche Situation in dieser Zeit legen. Ich war ja immer wieder krankgeschrieben, auf der einen Seite wegen den angeblichen Herzinfarkte, die sich GOTT sein dank nicht bewahrheitet haben und dann kam halt langsam meine psychische Lage mit der anschließenden 3-monatigen stationären Aufenthalt hinzu.

Ich hatte nun über 30 Jahre für unsere Familie das Geld verdient, doch durch meine Erkrankung wurde ich aus Gesundheitsgründen aus dem Arbeitsleben entfernt. Erst gab es noch 6 Wochen Lohnfortzahlung, danach Krankengeld. Mit dieser neuen finanziellen Situation musste ich, mussten wir, erst einmal klarkommen. Dazu kam halt der psychische Druck, endlich wieder arbeiten gehen zu müssen. Es muss doch irgendwann mal vorbei sein mit der ganzen kranken Situation. ………. Dem war aber leider nicht so. So steig die Angst in Hartz 4 zu rutschen immer mehr vor meinem geistigen Auge und dadurch setzte ich mich weiter unter Druck, was psychisch unvorteilhaft war, um es höflich auszudrücken.

Irgendwann kam der Tag, vor dem ich mich gefürchtet hatte. Mein damaliger Arbeitgeber lud mich zu einem Gespräch ein. Und es kam, wie es kommen musste, Es gab eine Kündigung in beiderseitigem Einverständnis. Sicher man hätte damals dagegen klagen können, aber ich war dankbar das er so lange trotz der Fehlzeiten mich nicht abgeschrieben hatte. Das dieses nicht unendlich weiter gehen konnte war mir schon länger klar. Auf der einen Seite war es schade, da ich wie schon gesagt, meinen Beruf gerne ausgeübt habe, aber auf der anderen Seite nahm es mir auch den gedanklichen Druck raus, den ich gegenüber meinem Arbeitgeber empfunden habe. Klingt vielleicht komisch, aber so war das damals.

Zurück zu der allgemeinen Situation. Diese in Anführungsstriche Reha-Maßnahme in der Psychosomatischen Einrichtung musste von der Deutschen Rentenversicherung genehmigt werden, wie ich auch von dort mein Krankengeld bezog, was ich im Vorfeld beantragt hatte. Diese ganzen Anträge ausfüllen haben mich oft an meine psychische Grenze gebracht, was bei meinem Zustand relativ einfach war.

So jetzt endet dieser Teil meiner Geschichte und die Fortsetzung wird sicher in einer der nächsten Folgen sein … versprochen. Eines möchte ich noch zum Schluss sagen … Ich mache den Podcast und diesen Blog nicht damit mir irgendwer über den Hinterkopf streichelt, deswegen sicher nicht. Ich möchte das Thema Depression versuchen verständlicher rüberzubringen, als Therapeuten und Psychologen es manchmal machen. Ich denke als Betroffener habe ich durchaus erklärbare Erfahrungen, die ich mitteilen kann. Mein Wunsch ist die einfache Akzeptanz den Betroffenen gegenüber, ohne sich gleich aus dem Staub zu machen oder verkrampft Lösungsratschläge dem Patienten an den Kopf zu werfen. Aber dazu komme ich auch noch in einer weiteren Folge. Wie gesagt, hier ist erstmal Schluss und ich freue mich über eure Kommentare und Anregungen.

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