Depression: Das Schlimmste ist vorbei.

Die aktuelle depressive Episode geht langsam vorbei und dieses Mal war ich der Gewinner!

Sie kam wieder so unerwartet wie immer. Innerhalb von wenigen Minuten saß ich wieder in einem dunklen Loch. Alles um mich herum war mir egal. Ich selbst war mir egal und doch … bin ich schlussendlich der Gewinner gewesen. Warum, werdet ihr euch vielleicht fragen.  

Dieses Mal habe ich nicht auf die innere Stimme gehört und alles zerstört und verkauft, was mir sonst Freude bereitet. Webseiten sind noch online, Kamera(s) sind noch in meinem Besitz und Fotos wurden nicht gelöscht. Klare Ansage, leicht war dieser Kampf nicht.

Immer wieder sagte diese innere Stimme wie wertlos ich bin und dass diese Sache mit der Fotografie weder gut sei und schon gar nicht andere interessiert. Die Sinnlosigkeit meines Daseins wurde mir verschärft jede Stunde, jeden Tag neu erklärt. Dazu kamen wieder verbale Entgleisungen aus dem Umfeld, ob aus dem realen Leben oder online.

Bis zum Begriff Sozialschmarotzer war wieder alles dabei. Ich solle mich nicht so anstellen. „Anderen Menschen geht es viel schlechter.“ Die „netteren“ Versionen waren „Auch das geht vorbei.“ oder „Geh mehr raus, unter Menschen, dann kommst du auf andere Gedanken.“ All diese Aussagen bringen mich nur dazu, weiter mich zurückzuziehen und gar nicht mehr darüber zu reden oder gar zu schreiben.

Was nicht in meinem Umfeld und auch in der Gesellschaft verstanden wird. Depressionen sind keine Willensentscheidungen der Betroffenen, es ist eine Krankheit! Man sagt ja auch nicht zu einem Asthma-Patienten: „Geh raus an die frische Luft, dann wird es besser.“

Jeder depressive Schub, jede depressive Episode ist wie ein Rausfallen aus den normalen Rahmenbedingungen und jedes Mal versucht man diese wieder zu erlangen.

Diese immer wiederkehrenden Kämpfe zermürben einen und ohne fachliche Hilfe hätte ich wahrscheinlich schon längst aufgegeben und den Kampf verloren. Denn ich allein kann es nicht schaffen die Krankheit in den Griff zu bekommen. Was das im Umkehrschluss heißt, zeigen die vielen erfolglosen und leider auch erfolgreichen Suizidversuche in Deutschland. Deswegen möchte ich jedem Betroffenen anraten sich fachliche Hilfe zu holen. Keiner muss dieser Krankheit allein gegenüberstehen. Auch wenn die Therapieplätze rar gesät sind, niemals aufgeben, ihr seid es wert!

Eine Antwort auf „Depression: Das Schlimmste ist vorbei.“

  1. Hallo Holger, erst einmal danke für die Beschreibungen der immer wiederkehrenden Depressionsschübe. Genau so ist es nämlich: Wie eine chronische Krankheit. Und auch wenn es scheinbar immer wieder die gleichen Symptome sind, so ist es doch jedesmal einzigartig. Schmerzen fühlen sich ja auch jedesmal neu an.
    Und wenn jemand dafür kein Verständnis hat, zeigt es nur, dass er diesen Zustand nicht kennt. Kann er nur froh sein drüber! Denn zeitweise nur die Hülle eines Lebens zu leben ist kein Spaß. Vor allem, wenn es sich anfühlt, als wenn diese Hülle regelmäßig von innen nach außen gestülpt wird.
    Also mach weiter, damit wir hier immer was zu lesen haben 😉 Und herzliche Grüße auch an deine Frau, denn sie weiß wohl, was sie an dir hat.

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